Weiteres

Login für Redakteure

„Was die Deutschen lasen, während ihre Klassiker schrieben“. August Lafontaine, ein Hallenser Erfolgsautor der Goethezeit

Lesung und Gespräch Literaturhaus Halle
15. Januar 2026, 19.00

Die Bestsellerlisten der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts werden nicht von Goethe und Schiller oder Immermann und Kotzebue angeführt, sondern von August Lafontaine (1758-1831). Und der Lieblingsautor der Leihbibliotheken schreibt in Halle: Nach einem Theologiestudium und einigen Jahren als Feldprediger lässt sich Lafontaine 1800 in Halle nieder und lebt von seinen Romanen, die die Zeitgenossen wie Wieland, Herder, Lichtenberg oder Caroline Schlegel bewundern und die schnell zahlreiche Leserinnen begeistern. Früh wird er auch übersetzt und etwa von Madame de Stael ganz selbstverständlich neben Goethe und Jean Paul gestellt: Deutsche Weltliteratur, die nach England, Frankreich, Schweden und sogar Brasilien vordringt.

In den dreißig Jahren, in denen Lafontaine in einer Villa an der Saale lebt, verfasst er ungefähr sechzig Romane in hundertvierzig Bänden, genau gezählt hat das noch niemand. Sie erzählen empfindsame und oft satirische Liebes- und Familiengeschichten, greifen aber auch die Themen der Zeit auf: die Französische Revolution, Krieg und Vertreibung, Frauenfragen, Kolonialismus, Sklaverei und Rassismus.

Von der zünftigen Literaturwissenschaft sind die Texte bald als „Moderomane“ vergessen worden. Liest man sie heute wieder, gibt es einiges zu entdecken: ein faszinierendes Panorama der Zeit, eine Literatur für LeserInnen, spannende Geschichten und prägnante Figuren und nicht zuletzt jede Menge witziger Stellen. Studierende der Martin-Luther-Universität präsentieren Texte Lafontaines in Lesung und Gespräch.

Der Abend findet im Rahmen eines Workshops „Roman und Weltliteratur: August Lafontaine wiedergelesen“ statt.

Organisiert von Larissa de Assumpção und Daniel Weidner

Zum Seitenanfang