Stil als Politik, Politik als Stil
Synergieeffekte zweier Konzepte zwischen Vormärz und Weimarer Republik
Workshop 22.-23. Januar 2026
Ab dem Vormärz zeichnet sich latent eine Politisierung des Stil-Begriffs ab. Autoren des Jungen Deutschland wie Ludolf Wienbarg, Heinrich Heine, Theodor Mundt oder Heinrich Laube reflektieren an verschiedenen Stellen mehr oder minder systematisch über die Verbindung von Stil und Politik. Dass Stilfragen seit dem Junghegelianismus nicht unvermittelt zur Politik stehen, untermauert spätestens Friedrich Nietzsches erste Unzeitgemäße Betrachtung David Friedrich Strauß, der Bekenner und Schriftsteller (1874). Fragen der Stilkritik am Junghegelianer Strauß nimmt sie ebenso ernst wie politische Gehalte. Synergien zwischen Stilistik und Politik scheinen in den 1920er Jahren auf einen Gipfel zu gelangen, wenn von „Nationalstilen“ (Karl Vossler), der „Sprachnorm“ (Hugo von Hofmannsthal), Verbindungen von Physiognomie und Stil (Walter Benjamin) oder der „schöpferischen Restauration“ (Rudolf Borchardt) im Zeichen einer neuen Sprache und Dichtungsart die Rede ist. Vor diesem Hintergrund versucht der Workshop eine kursorische Sichtung der Synergien und Synergieeffekte von Stil und Politik zwischen Vormärz und Weimarer Republik zu unternehmen.
Donnerstag, 22.1.2026
14.00-14.30 Uhr Begrüßung / Ankunft
14.30-15.30 Uhr Gabriele Guerra, Kantorowicz und Stilpolitik im George-Kreis
15.30-16.30 Uhr Norman Kaspar, Unpolitisch politisch. Gottfried Benns und Ernst Jüngers Stil-Konzeptionen in deren Essayistik der frühen 1930er Jahre
16.30-17.00 Uhr Kaffeepause
17.00-18.00 Uhr Claude Haas, Stil als unterdrücktes Problem in der Werkpolitik des George-Kreises
18.00–19.00 Na Schädlich, `Redlichkeit´ bei Schopenhauer
Freitag, 23.1.2026
9.30-10.30 Uhr Florian Scherübl, Stil und Politik. Synergien zwischen Vormärz und Weimarer Republik. Eine Spurensicherung
10.30-11.30 Uhr Jan Lietz, Körper, Erinnerung, Technik. Zu Walter Benjamins ‚physiologischer Stilkunde‘
11.30-12.00 Uhr Kaffeepause
12.00-13.00 Uhr Daniel Weidner, Stil, Kitsch und Apokalypse. Hermann Brochs Politik des modernen Romans
13. 00 Uhr Schlussdiskussion
Veranstaltungsort:
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Germanistisches Institut/Abteilung Komparatistik
Ludwig-Wucherer-Straße 2, Raum 1.10.0
Anmeldungen an florian.scheruebl@germanistik.uni-halle.de



