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Lehrveranstaltungen

Wintersemester 2022/23

Zergliedern - verschieben - arrangieren: Verfahren der Montage in der Literatur des 20. Jahrhunderts (mo 16-18)

Montagetechniken spielen in vielen Kunstbereichen im 20. Jahrhundert  eine wichtige Rolle und wir begegnen ihnen beispielsweise im Film, in  der Malerei, der Fotografie oder der Musik. Während sie im Film zunächst  ein technisches Verfahren zur Erzeugung von Bewegung darstellt, besteht  die Montage als literarisches Verfahren darin, heterogene Materialien  aus verschiedenen Bereichen zu sammeln und in neue Kontexte zu  versetzten. Das betrifft sowohl die literarische Arbeit mit  unterschiedlichen (fremden) Texten als auch die Integration von Bildern,  Fotos, Zeitungsartikeln, Reklame oder anderen alltäglichen Textformen.  Manchmal agiert die Montage dabei verdeckt, häufig wird sie aber als  Konstruktionsprinzip des literarischen Werkes demonstrativ zur Schau  gestellt. Die Montage kann z.B.  dazu dienen, Einschnitte oder Brüche zu  markieren, eine fragmentierte Lebenswirklichkeit vorzustellen,  narrative Sinnzusammenhänge zu unterbrechen oder aber eine  multiperspektivische Wahrnehmungsweise zu befördern.

Der Schwerpunkt des Seminars liegt auf der Beschäftigung mit konkreten  Montagepraktiken (zergliedern, herausreißen, verschieben, neu  zusammenfügen) und ihren Funktionen sowohl auf produktions- als auch auf  rezeptionsästhetischer Ebene. Seminarleitende Fragen sind: Worauf  reagiert der Einsatz von Montagetechniken? Was versprechen sich  unterschiedliche Autor:innen von der Montage? Wie wird mit verschiedenen  Materialien umgegangen? Wie verändern sich Begriffe wie ‚Autorschaft‘,  ‚Werk‘ oder ‚Originalität‘ durch Praktiken der  Kombination/Konfrontation/Reihung heterogener Materialien? Dabei  beschäftigen wir uns u.a. mit der Lyrik des Dadaismus, dem Roman (Alfred  Döblin, John Dos Passos), dem Drama (Erwin Piscator, Bertolt Brecht),  der ‚Cut-up‘-Poetik der Beat-Generation und der frühen ‚Pop‘-Literatur  (Hubert Fichte, R. D. Brinkmann). Ziel des Seminars ist es, einen  Überblick über die vielfältigen Einsatzformen der Montage in der  Literatur des 20. Jahrhunderts zu gewinnen. Das Seminar setzt die  Bereitschaft zur engagierten Lektüre unterschiedlicher literarischer  Texte voraus. Für die einzelnen Sitzungen sollen Expertengruppen  gebildet werden, die sich vertiefend mit dem jeweiligen Gegenstand  auseinandersetzen, um so die Sitzungen moderieren zu können.

++ Es wird empfohlen, die Romane ‚Berlin Alexanderplatz‘ (Döblin) und  ‚Manhattan Transfer‘ (Dos Passos) bereits vor Semesterbeginn zu lesen.  ++

Lektüre zum Einstieg:
Žmegač, Viktor: ‚Montage/Collage‘. In: Moderne Literatur in  Grundbegriffen, hg. v. Dieter Borchmeyer/ders., Berlin/Boston 2013, S  286-291.
Klotz, Volker: Zitat und Montage in neuerer Literatur und Kunst. In:  Sprache im technischen Zeitalter 60 (1976), S. 259–277.

Lehrveranstaltungen aus früheren Semestern

  • SoSe 2022: Kriegsdarstellungen in der Literatur des 20. Jahrhunderts (Universität Halle)
  • SoSe 2020: Nüchternheit und Rausch in Literatur und Ästhetik seit 1800 (Universität Hamburg)
  • WiSe 2019/20: Der Schriftsteller als kritischer Zeitgenosse. Literatur und Politik zwischen 1918 und 1933 (Universität Hamburg)
  • SoSe 2019: Das Groteske in der Literatur (Universität Hamburg)
  • WiSe 2017/18: Probe und Probieren. Theatrale, literarische und theoretische Modelle (zusammen mit Prof. Dr. Martin Jörg Schäfer an der Universität Hamburg)

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