Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Aktuelle Lehrveranstaltungen

Sprechzeiten

Sprechzeiten: Donnerstag, 15:00-16:30 und nach Absprache. Bitte vereinbaren Sie auch für die regulären Sprechzeiten einen Termin per Mail.

SoSe 2022

Kapitalismuskritik und Antisemitismus in der Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts

Die negativen Auswirkungen einer kapitalistischen Wirtschaftspraxis werden im 19. Jahrhundert auf bis dahin unbekannte Weise spürbar und diese bleibt nicht unhinterfragt: Welchen Preis zahlt eine Gesellschaft für die „Herrschaft des Kapitals“? Welche Auswirkungen auf das Zusammenleben haben Spekulation und Börsenfieber, Kaufrausch und Fetischisierung des Geldes? Diesen berechtigten Fragen begegnen viele Intellektuelle und Schriftsteller mit verheerenden Erklärungsmustern: In ihnen ist es der Jude, der die negativen Seiten des Kapitalismus hervorbringt und repräsentiert. In einem Durchgang durch die zweite Hälfte des 19. und den Beginn des 20. Jahrhunderts werden literarische Deutungsmuster des Verhältnisses von Antikapitalismus und Antisemitismus von Gustav Freytag und Theodor Fontane über Wilhelm von Polenz bis zu Heinrich Mann im Zentrum des Seminars stehen. Die gemeinsame Lektüre von Karl Marx‘ Text „Zur Judenfrage“ und eine Berlin-Exkursion ins Deutsche Historische Museum mit der aktuellen Ausstellung „Karl Marx und der Kapitalismus“ schließt das Seminar ab.

Die Figur des ewigen Juden von der Frühen Neuzeit bis zum 20. Jahrhundert

Die mythische Figur des ‚ewigen Juden‘ taucht seit der Frühen Neuzeit in verschiedenen Textsorten auf und entwickelt sich besonders im 19. und 20. Jahrhundert zu einer wichtigen Bezugsgröße der deutschen Kultur-, Literatur- und Ideengeschichte. Dabei spielt der Ahasver-Mythos eine zutiefst ambivalente Rolle: Er wird sowohl von antisemitischen als auch von deutsch-jüdischen Autoren benutzt und dient teils der Diffamierung der Juden, teils zionistischen Argumenten und der jüdischen Selbstverortung. Im Seminar werden wir Texte von deutsch-jüdischen Autoren und Autorinnen wie Ludwig Börne, Fritz Mauthner, Ernst Toller, Nelly Sachs und Stefan Heym lesen und uns anhand von frühneuzeitlichen Legenden bis hin zum NS-Propagandafilm mit antisemitischen Funktionalisierungen der Figur beschäftigen.

Gedichtzyklen der Moderne. 1900–1933

Anhand von verschiedenen berühmten Gedichtzyklen, die im Zeitraum zwischen 1900 und 1933 entstandenen sind, sollen drei Arbeitsgebiete der Literaturwissenschaft kennengelernt und vertieft werden: die Analyse lyrischer Formen, die Poetik zyklischer Kompositionen und Theorien der Moderne. Mit Charles Baudelaire als Wegbereiter, dann Gottfried Benn, Georg Trakl, Stefan George, Bertolt Brecht und Gertrud Kolmar werden kanonische Lyriker und Lyrikerinnen vorgestellt, deren Positionen innerhalb der ‚Moderne‘ teils deutlich divergieren. Dies geht auch aus deren jeweiliger Verhältnisbestimmung von Einzeltext und Gesamtkomposition, fragmentarischem Teil und Totalität hervor, wie das Seminar zeigen wird. Die voraussetzungslose und freudvolle gemeinsame Lyrikinterpretation soll im Zentrum dieses Seminars stehen. Jeder Studierende erhält persönliches Feedback zu zwei (für alle verbindlichen) schriftlichen Übungen.

Klassiker der Kulturtheorie: Nietzsche, Freud, Beauvoir, Butler

In diesem Lektüreseminar werden vier Klassiker der Kulturtheorie gelesen: Friedrich Nietzsches „Genealogie der Moral“, Sigmund Freuds „Das Unbehagen in der Kultur“, Simone de Beauvoirs „Das andere Geschlecht“ und Judith Butlers „Das Unbehagen der Geschlechter“. Die Texte sind je für sich äußerst einflussreich für die Kulturtheorie und deren Verhältnisbestimmung von Kultur und Natur geworden und hängen zudem alle auf die eine oder andere Art zusammen: Nietzsches Schrift veranlasste Freud unmittelbar zur Niederschrift seiner Überlegungen, Beauvoir bezieht sich auf Freud, Butlers Text setzt sich kritisch mit Beauvoir auseinander und ist auch ohne Nietzsche und Freud nicht zu denken. So werden sich während der Textlektüre vielfältige Zusammenhänge zeigen. Die Bereitschaft zum kontinuierlichen Lesen größerer Textmengen und zur aktiven Diskussion im Plenum ist für dieses Seminar eine unbedingte Voraussetzung.

WS 2021/22

Seminar: Mephisto in Literatur, Film und Song. Von der Bibel bis Bushido

für BA und Lehramt (Themen, Stoffe, Motive; Literaturgeschichte) montags, 10:30-12:00

Mephisto nennt sich in Goethes Faust einen „Teil von jener Kraft, / Die stets das Böse will und stets das Gute schafft“ – ist Goethes Teufels-Figur also nicht einfach die Verkörperung des Bösen? Sondern auch Teil des Guten, ein gefallener Engel? Anhand von theologischen und literarischen Texten, Filmen und Songs werden im Seminar verschiedene Auslegungen der Teufels-Figur vom Buch Hiob im Alten Testament bis zu Bushido diskutiert. Das Seminar findet online als Videokonferenz statt. Verbindliche (Re-)lektüre für alle vor Seminarbeginn: Goethes Faust 1 und der 5. Akt aus Goethes Faust 2; diese Texte müssen selbst angeschafft werden (freie Auswahl der Ausgabe). Alle anderen Texte werden bereitgestellt.

Seminar: Nach Amerika! Auswanderer in der Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts

Seminar für BA und Lehramt (Themen, Stoffe, Motive; Literaturgeschichte) dienstags, 10:30-12:00

Migration ist kein alleiniges Phänomen des 21. Jahrhunderts. Knapp 6 Millionen Deutsche wanderten allein in der Zeit von 1820 bis 1928 nach Übersee aus – im heutigen Sprachgebrauch würde man den allergrößten Teil von ihnen als ‚Wirtschaftsflüchtlinge‘ bezeichnen. Nach 1933 gab es eine erneute Auswandererwelle, diesmal zum größten Teil politische Exilanten. Ein Großteil blieb seit dem 19. Jahrhundert in der Neuen Welt, nicht wenige kamen aber auch nie an oder sie kehrten wieder zurück. Literarische Verarbeitungen dieser Erfahrungen werfen vielfältige sozial- und kulturgeschichtliche Perspektiven auf das Phänomen des Auswanderns, die Deutschen als Migranten und die Rolle der Kunst für diese Erfahrungen. Gelesen werden u.a. Texte von Berthold Auerbach, Franz Kafka und Anna Sehers. Das Seminar findet online als Videokonferenz statt.

Vorlesung: Literaturgeschichte der Heimat

für BA und Lehramt (Themen, Stoffe, Motive; Literaturgeschichte) donnerstags, 13-14:30

Die moderne Bedeutung von Heimat bildet sich ab den 1770er Jahren vor allem in literarischen Texten aus und entfaltet sich weiter in der Literatur des 19., 20. und 21. Jahrhunderts. Von der Literatur der Empfindsamkeit angefangen ist Heimat dabei immer mehr, als allein der Ort der Herkunft. Was genau dieses ‚Mehr‘ in der Romantik und im Realismus, im Naturalismus und der Klassischen Moderne, in NS- und Exilliteratur und in der Folge bis heute jeweils sein konnte und kann, soll in dieser Vorlesung diskutiert werden, nicht zuletzt vor dem Hintergrund aktueller politischer Vereinnahmungen des Heimatbegriffs, die auf teils über zweihundertjährigen literarischen Heimatkonzepten basieren und diese zu ihren eigenen Zwecken gebrauchen.

Seminar: Hannah Arendt als Leserin: Heine, Kafka, Brecht

für BA und Lehramt (Literatur- und Gattungstheorie; Literaturgeschichte) freitags, 10:30-12:00

Hannah Arendt wurde berühmt für Ihre Überlegungen zu den Formen „totaler Herrschaft“ und der „Banalität des Bösen“. Die politische Philosophin Hannah Arendt ist auch eine glänzende Essayistin; ihr Denken und Schreiben erprobte sie u.a. an den literarischen Werken Heines, Kafkas und Brechts. In Parallellektüren ausgewählter Texte dieser Autoren mit den Essays Arendts wollen wir sowohl literaturwissenschaftliche als auch politisch-philosophische Zugänge zu den Texten erproben und uns Hannah Arendts Werk von einer etwas anderen Seite aus nähern. Das Seminar findet online als Videokonferenz statt und erfordert die Bereitschaft, größere Textmengen zu lesen.

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