Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Lehrveranstaltungen

Wintersemester 2022-23

Ringvorlesung: Wie wir lesen – und wozu. Wege, Praktiken und Formen der Lektüre / Prof. Dr. Daniel Weidner et al.

Wie lesen wir eigentlich und was versprechen wir uns davon? Welche Art der Erkenntnis lässt sich an Literatur im engeren oder im weiteren Sinn gewinnen, und wie gehen wir vor, um diese Erkenntnis zu sichern und zu vermitteln? Welche Formen können Lektüren annehmen, welche Rolle spielen sie in individuellen und kollektiven Lebenszusammenhängen? Wie fügen sich bestimmte Lektüren in historische und biographische Rückblicke oder prospektive Lebensentwürfe ein? Ausgehend von diesen grundsätzlichen Fragen möchte die Ringvorlesung die verschiedenen Philologien der MLU vorstellen und ins Gespräch bringen, sowohl untereinander als auch mit anderen Fächern.

Nach dem Lesen fragen – das zielt weder auf eine Methodendiskussion, noch auf eine Rechtfertigung des ‚alten‘ Mediums Literatur im digitalen Zeitalter oder der Literaturwissenschaft im Zeichen ihrer notorischen Krisen. Die Ringvorlesung will vielmehr von der konkreten Leistung der jeweiligen Philologie her über das Lesen als vielfältige kulturelle Praxis nachdenken. Was können die Literaturwissenschaften, wie leisten sie das, was sie können? Wie verhält sich literaturwissenschaftliches Lesen zum Lesen überhaupt: Zehrt die Wissenschaft von der naiven Lektüre, korrigiert sie diese, beobachtet sie, leitet sie an, ‚bildet‘ sie gar? Und allgemeiner: wo und wann wird was überhaupt gelesen? Was macht eine gelungene Lektüre aus? Wo hat man selbst wirklich etwas gelernt?

Solche Fragen richten sich nicht nur an die Gegenwart, denn das Lesen hat seine eigenen Geschichten: Warum, mit welcher Wirkung und zu welchem Zweck haben sich manche Leseerlebnisse ins Gedächtnis eingeprägt und andere nicht? Welche Rolle spielen etwa identifikatorische Lektüren der Kindheit und Jugend, das Ein- und Abtauchen in Texte, die Erinnerung an Lektüren, deren Intensität nicht wiederholbar scheint? Und was lesen wir eigentlich wie: Müssen literarische Texte anders gelesen werden als solche der Geschichte, der Philosophie, der Religion etc., oder lassen sich literaturwissenschaftliche Lektüren auch auf andere Texte übertragen? Welche Ansätze erweisen sich dabei als besonders produktiv – und wie genau machen sie das?

Antwortversuche auf diese und andere Fragen berühren auch das für die Literaturwissenschaft grundlegende Problem der unterschiedlichen Positionierungen und Funktionen literarischer Texte: Kreisen sie um die immer gleichen Fragen oder faszinieren sie, weil sie in der Lage sind, neue Themen zu benennen und durchzuspielen? Betrachtet Literatur kulturelle und gesellschaftliche Konflikte vom Rand her und kann so marginalisierten Positionen eine Stimme geben? Oder steht sie für das Zentrum, für die wesentlichen und oft nicht bewussten Tropen und Phantasmen, über die die Gesellschaft sich selbst denkt? Wo finden wir überhaupt die Texte, die wir gelesen haben, lesen wollen oder gerne lesen würden? Am Rand oder im Zentrum des Kanons? Im Archiv? Im Nicht-Gelesenen? Im Beiwerk?
Anstatt abstrakte Diskussionen um die ‚angemessene‘ Form der Lektüre zu führen, mag es auch hier fruchtbarer sein, sich darüber klar zu werden, welche Lektüre was genau leisten kann. Denn jede(r), die oder der das Lesen zu ihrem bzw. seinem Beruf gemacht hat, weiß, dass es bei dieser Tätigkeit auch Momente jenseits (oder diesseits?) der Methode gibt: den richtigen Moment, einen bestimmten Rhythmus oder Takt in der Lektüre, die Überraschung, weil etwas ganz Neues, Unbekanntes entdeckt wird. Welchen eigenen Weg nimmt man durch das Dickicht der Texte, welche Interessen und Wünsche verbinden sich mit dem Lesen? Alle teilnehmenden Kolleg*innen sind aufgefordert, auch subjektive Momente zu thematisieren: den eigenen Standpunkt, die eigenen Erfahrungen und Praktiken – um so den vielen ‚Lüsten‘ (plaisirs) der Literatur Raum zu geben, die sich nicht auf die eine Lust am Text reduzieren lassen. Gerne können auch exemplarische Lektüren vorgestellt werden, die die Stärken des jeweiligen Zugriffs und zugleich die Besonderheiten der verschiedenen Philologien oder Fachdisziplinen verdeutlichen können.

Vorlesung: Grundlagen der neueren deutschen Literaturwissenschaft

Die Vorlesung führt in das Studium der Literaturwissenschaft ein und legt dabei besonderes Gewicht auf wichtige literaturwissenschaftliche Begriffe. Denn Literaturwissenschaft besteht wesentlich aus bestimmten Konzepten, die wir verstehen müssen, um uns im Fach bewegen zu können. Zugleich kann man über die Begriffe auch verstehen, welche Fragen die Literaturwissenschaft eigentlich an literarische Texte stellt – und welche nicht. Die Begriffe werden an konkreten Textbeispielen eingeführt und in ihrer jeweiligen Besonderheit, ihrem historischen Kontext, ihren Zusammenhängen mit anderen Konzepten sowie ihren Leistungen und Grenzen vorgestellt. Indem jeweils verschiedene Begriffe für ‚dasselbe‘ erläutert werden, schärfen wird das Bewusstsein, dass Literatur jeweils verschieden beschrieben und modelliert werden kann: Es macht eben einen Unterschied, ob man ein Buch als ‚Werk‘ oder als ‚Text‘ betrachtet, eine Aufführung als ‚Drama‘ oder als ‚Theater‘. Ziel der Vorlesung ist dabei, dass Sie in ihrem weiteren Studium mit diesen Begriffen umgehen können. Während der Vorlesung legen wir ein Vokabular mit kurzen Arbeitsdefinitionen diese Begriffe an, das dann auch zur Vorbereitung der Abschlussklausur dient; es gibt in der Vorlesung ausgiebige Gelegenheit zu Rückfragen.

Texte – Lektüren – Theorien für Fortgeschrittene. Einführung in das Masterstudium der Literaturwissenschaft

Dieses Seminar dient als Einführung in die literaturwissenschaftlichen Masterstudiengänge, kann aber auch von LA Mastern und Fortgeschrittenen Masterstudierenden besucht werden, die ihr Fach besser kennenlernen wollen. Sie sollen darin ihre Lektürekompetenzen und Theoriekenntnis vertiefen und in die Lage versetzt werden, selbständig zu forschen. Wir blicken auf das bereits Gelernte zurück und prüfen durch gemeinsame Textarbeit unsere Lektüre- und Interpretationspraxis. Wir beschäftigen uns mit den Geschichten der jeweiligen Fächer und stellen einander in einem parcours die grundlegenden Theorien und (je nach Interesse) neue Forschungsfragen vor. Wir üben das Schreiben, indem wir miteinander schon geschriebene Hausarbeiten diskutieren, Essays schreiben und wechselseitig redigieren, Strategien zur Themenfindung und Disposition entwickeln und uns über typische Probleme wissenschaftlichen Schreibens (Zitateinbettung, Literaturverwendung, Arbeitsökonomie etc.) austauschen.

Vorbereitung: Sie können sich ein (oder mehrere) Einführungsbuch in Ihr Fach ansehen und überlegen, was Sie darin finden und was darin fehlt. Bringen Sie das in die erste Sitzung mit.

Die Bücher und das Buch: Einführung in die literarische Rezeption biblischer Stoffe, Figuren und Formen

Bis in die Gegenwart beziehen sich zahlreiche literarische Texte auf Geschichten und Figuren aus der Bibel, und die Bibel ist selbst einer der wichtigsten Texte der Weltliteratur, der bis in die Neuzeit hinein bestimmt, was man sich unter einem Buch vorstellt. Das Seminar versteht sich als Einführung in diese Beziehung und zugleich in die allgemeinen Fragen literarischer Rezeption und der Beziehung von Literatur und Religion. Zunächst lesen wir verschiedene biblische Texte und beschäftigen uns mit deren literarischen Formen. Wir diskutieren Praktiken wie Kommentar, Interpretation und Übersetzung biblischer Texte und werfen einen Seitenblick auf den Umgang mit der Bibel in Judentum und Islam. Anschließend untersuchen wir an verschiedenen Beispielen aus der Literaturgeschichte (Interessen der Studierenden werden gerne berücksichtigt), wie literarische Texte mit biblischen Stoffen und Formen umgehen. Das reicht von geistlichen Gedichten oder Bibeldramen über die kreative Nacherzählung biblischer Stoffe bis zu Zitaten biblischer Texte oder zu Anspielung auf biblische Figuren und Motive in Texten mit ganz anderer Thematik. Bei Interesse können auch andere Medien wie Malerei und Film einbezogen werden. Dabei entwickeln wir eine Typologie literarischer Rezeption und beschäftigen uns auch mit den ideologischen Konflikten über Religion, Gender, Herrschaft etc., die in solchen Rezeptionen mitschwingen.
Vorbereitung: Lesen Sie in der Bibel! Besonders Genesis, Exodus, 1. und 2. Samuel, Markusevangelium

Sommersemester 2022

Vorlesung: Literatur und das Nachleben der Religion

Literatur und Religion haben ein enges Verhältnis. Viele literarische  Formen und Gattungen haben einmal religiöse Ursprünge gehabt, Literatur  ist lange in religiösen Kontexten gepflegt worden, bis in die Gegenwart  hinein verhandeln literarische Texte oft religiöse Fragen und Probleme,  manchmal übernimmt Literatur auch Funktionen der Religion. All diese  Momente prägen auch in modernen Gesellschaften, in denen Religion  zumindest auf den ersten Blick keine zentrale Funktion mehr hat, unser  Verständnis von Literatur – sie zu kennen ist daher wichtig, um  Literatur im umfassenden Sinne zu verstehen. Die Vorlesung entwirft an  ausgewählten Beispielen aus der langen europäischen Literaturgeschichte  einen Blick auf einige dieser Konstellationen: Wie Hymne und Tragödie  aus dem religiösen Ritual hervorgehen, wie Literatur mit dem Mythos  umgeht und in mythischen Elementen Religiöses auch in der ‚entzauberten‘  Welt fortlebt, welche Rolle Heilige Texte für die Literatur spielen und  wie sich an ihnen so etwas wie Hermeneutik ausbildet, wie Literatur  sich von Passion, Opfer, Mystik faszinieren lässt, wie Autobiographien  die Frage der Seele und Romane das Thema der Providenz verhandeln, wie  religiöses Theater die Welt auf die Bühne bringt, wie verschiedene  Religionen jeweils neue Literaturformen hervorbringen und wie religiöse  Spannungen und Konflikte literarisch ausgetragen werden.

Zur Einführung: Daniel Weidner (Hg.): Handbuch Literatur und Religion, Metzler 2016 (online)

Werkstatt Publizistik Weimarer Republik

Die Weimarer Republik ist die große Zeit der Publizistik.  Walter Benjamin, Gottfried Benn, Alfred Döblin, Hugo von Hofmannsthal,  Irmgard Keun, Thomas und Heinrich Mann, Robert Musil, Josef Roth, Ernst  Toller, Franz Werfel, Arnold Zweig etc. – all diese wichtigen Autoren  der Zeit veröffentlichten in Zeitschriften. »Die literarische Welt«,  »Die Neue Rundschau«, »Das Tagebuch« oder »Die Weltbühne« – so die  sprechenden Namen einiger dieser berühmt gewordenen Publikationsorgane,  die literarisch-kulturell, aber ebenso politisch orientiert waren. Die  Zeitschriftenlandschaft ist weit, die Themen sind vielfältig, dabei noch  wenig erforscht. Geschrieben wird über Literatur, den Kunstmarkt,  Theaterskandale, das neue Medium des Films wie über die Jugendbewegung  oder über Genderfragen; »Unsere armen Wörter« kommen gleichermaßen zur  Sprache wie die »Geschlechtskälte der Frau«, diskutiert wird über das  männliche Pendant der Maitresse oder über die Frage, ob »ein Museum eine  Tür haben« soll.
Wir wollen uns im Seminar praktisch mit der Publizistik der  Weimarer Republik befassen und dabei alternative und für die  Literaturwissenschaft ungewohnte Arbeitsformen ausprobieren. Die  Teilnehmer:innen werden gemeinsam eine digitale Anthologie  publizistischer Texte erarbeiten. Mit dem Format eines Design-Sprints  entwirft das Team eine Konzeption und entwickelt einen Prototyp, der  dann – vermutlich? – Grundlage eines Blogs wird. Es geht im Seminar  darum, gemeinsam und in intensiver Teamarbeit wirklich an und mit dem  Material zu arbeiten und ein reales Produkt zu erstellen.

Einführung in die deutsch-jüdische Literatur

Die Frage nach der ‚Identität‘ und ‚Zugehörigkeiten‘ von Minderheiten  ist nicht neu in der Literatur. Im deutschen Sprachraum lässt sie sich  vor allem an jüdischen AutorInnen untersuchen, die seit der Emanzipation  am Ende des 18. Jahrhunderts auf Deutsch schreiben, aber als Juden  gelesen werden. Ihre Texte drücken die schwierige und prekäre Stellung  der Juden in Deutschland während des 19. und frühen 20. Jahrhunderts  aus, reflektieren über komplexe und oft widersprüchliche kulturelle  Zugehörigkeiten und Subjektkonzepte und zeigen , wie sich komplexe  Aushandlungen von Selbst- und Fremdzuschreibungen gerade in der  literarischen Form vollziehen.

Anhand von fünf Prosatexten bzw. Auszügen führt das Seminar in die  deutsch-jüdische Literatur vom späten 18. bis Anfang des 20.  Jahrhunderts ein. Die Arbeit im Seminar besteht vor allem aus  gemeinsamer Textarbeit, die von Gruppen vorbereitet und angeleitet wird.  Mitarbeit in einer der fünf Vorbereitungsgruppen ist obligatorisch.

Texte: Salomon Maimon: Lebensgeschichte, von ihm selbst erzählt  (Jüdischer Verlag 2019); Rahel Varnhagen: Briefe und Aufzeichnungen (in  Auszügen, Insel 1986); Heinrich Heine: Der Rabbi von Bacherach (Reclam  1983); Karl Emil Franzos: Der Pojaz (Rotbuch Verlag 2005); Joseph Roth:  Hiob (Fischer 2005).
Zur Einführung: Hans Otto Horch (Hg.): Handbuch der deutsch-jüdischen  Literatur (2016) (online); Hans Schütz: Juden in der deutschen  Literatur. Eine deutsch-jüdische Literaturgeschichte im Überblick (Piper  1992).

Zeitgeschichte aufschreiben. Literatur als Chronik

AutorInnen der Gegenwartsliteratur bezeichnen sich oft als  „ChronistInnen“, die – ähnlich den mittelalterlichen Chronisten –  verzeichnen, was um sie herum geschieht. Unter Rückgriff auf  diaristische und dokumentarische Schreibweisen suchen sie nach  alternativen Darstellungsformen, welche die Welt und vor allem die  Geschichte nicht einfach fiktional ‚nacherfinden‘, sondern anders  erfahrbar machen. Da wird eher aufgezählt als erzählt, oft in Verbindung  mit anderen Medien wie der Photographie, oft im Bewusstsein einer  Moderne, in der die Literatur längst nicht mehr Leitmedium ist, sondern  mit dem Kino, der Zeitung, dem Netz um Aufmerksamkeit konkurriert. Wie  kann man eigentlich noch schreiben (und was ist Geschichte) in einer  sich rasend verändernden Gegenwart?
Das Seminar diskutiert anhand von fiktionalen und theoretischen Texten  des 20. Jahrhunderts die Grundlinien dieser Schreibweise, die in der  deutschsprachigen Literatur der Nachkriegszeit zunächst stark mit der  Auseinandersetzung mit der Nachgeschichte des Nationalsozialismus  verbunden ist, später aber auch zu einer wichtigen Reflexionsinstanz der  Gegenwärtigkeit von Literatur wird. Ausgehend von allgemeinen  Überlegungen über das Verhältnis von Literatur und Geschichte lesen wir  Texte u.a. von Alfred Döblin, Walter Benjamin, Irmgard Keun, Rudolf  Brunngraber, Alexander Kluge, Uwe Johnson, Christa Wolf, Walter  Kempowski, Rainald Goetz, Kathrin Röggla, Annie Ernaux, Svetlana  Alexijewitch.

Wintersemester 2021-2022

Vorlesung:  Literatur im Streit. Kampf, Polemik und Politik in der
literarischen Öffentlicheit

Literatur ist nicht immer eine friedliche Angelegenheit. An ihren Anfängen beschäftigt sie sich oft mit Kampf und Krieg; Satire und Polemik waren und sind wichtige literarische Schreibweisen; die Selbstverständigung darüber, was Literatur ist, kann und soll, findet oft in Kontroversen und „Literaturstreits“ statt. Die Vorlesung beschäftigt sich mit dem agonalen Moment der Literatur: mit der Art, wie Literatur Konflikte darstellt, selbst in Konflikten steht oder sie anzettelt – damit auch mit dem Politischen der Literatur, die gerade im Modus des Streits gesellschaftliche Normen und Werte verhandelt. Gerade heute, angesichts einer Krise demokratischer Öffentlichkeit im Zeichen von Bilderflut, fake news, Filterblasen und zunehmender Polarisierung, muss man über die Bedingungen und Formen öffentlicher Debatten und die Rolle der Literatur in diesen nachdenken. Diskutiert werden an exemplarischen Stationen der europäischen Literaturgeschichte u.a. wichtige Texte der klassischen und modernen Kriegsliteratur; Streitschrift, Satire, und Karikatur; Theorie und Praxis von Polemik und Kulturkritik; Kontroversen über Sinn und Funktion von Literatur und den Zusammenhang von Literatur, Literaturkritik und Öffentlichkeit; Theorien des Konflikts, des Politischen und der symbolischen Gewalt.

Literatur zur Einführung: Jan Assmann, Dietrich Harth (Hg): Kultur und Konflikt, Frankfurt a.M. 1990. Dirk Rose: Polemische Moderne. Stationen einer literarischen Kommuniaktionsform vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Göttingen 2020.

Einführung in die Komparatistik

Die Lehrveranstaltung führt in das Arbeitsgebiet der Komparatistik ein und erarbeitet die fachlichen Grundlagen, die für die eigenständige Arbeit entscheidend sind. Sie stellt wichtige Konzepte, Methoden und typische Fragestellungen vor, macht mit der Geschichte der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft sowie den wichtigsten Richtungen des Fachs vertraut und gibt damit auch Anregungen, sich selbständig weiter mit dem Fach zu beschäftigen. Zugleich soll intensiv darüber reflektiert werden, was, wie und wonach man komparatistisch fragen kann bzw. welche komparatistischen Themen, für die man sich interessiert und mit denen man sich schon beschäftigt hat, Potential haben. Das Seminar richtet sich an Studierende im ersten Semester des Masterstudiums (diese sollten es unbedingt belegen), an fortgeschrittene Studierende der Komparatistik, die über ihr eigenes Fach nachdenken wollen und an Interessierte anderer Studiengänge, die wissen wollen, was Komparatistik ist.

Literatur: Rüdiger Zymner, Achim Höller (Hrsg.): Handbuch Komparatistik. Theorien, Arbeitsfelder, Wissenspraxis, Stuttgart 2013. Angelika Corbineau-Hoffman: Einführung in die Komparatistik, Berlin 2013.

Karl Philipp Moritz

Karl Philipp Moritz galt lange als Außenseiter der deutschen Literaturgeschichte und ist bis heute schwer einzuordnen: Romancier und Autobiograph, Philosoph und Autodidakt, ein früher Realist sozialer Unterschichten, aber auch wichtiger Theoretiker einer „zweckfreien“ Kunst, zwischen Spätaufklärung, Empfindsamkeit und Klassik. Das Seminar will die verschiedenen Aspekte von Moritz' Schreiben und Werk in ihrem jeweiligen Kontext behandeln: die biographische Herkunft aus dem Pietismus und die Übertragung pietistischer Praktiken und Konzepte auf Kunst und Philosophie; die beiden sehr heterogenen Romane Anton Reiser und Andreas Hartknopf im Zusammenhang der Entwicklung von Romanform und Autobiographie; die kunstästhetischen Texte vor dem Hintergrund der philosophischen Ästhetik der Aufklärung und der Ästhetik der Kunstperiode; die pädagogischen und populärphilosophischen Texte und insbesondere das Zeitschriftenprojekt Magazin zur Erfahrungsseelenkunde im Kontext der Anthropologie und des Zeitschriftenwesens des späten 18. Jahrhunderts; die Reisebeschreibungen und die mythologischen Texte im Vergleich mit verwandten zeitgenössischen Unternehmungen; eventuell die Wirkungsgeschichte (Jean Paul, Arno Schmidt) und wichtige literaturhistorischen Beziehungen (Herder, Goethe). TeilnehmerInnensollten sich in einen dieser Aspekte vertiefend einarbeiten und bei Vorbereitung und Moderation (Impulsreferat) der Sitzungen mitwirken; das Seminar wird vor allem aus gemeinsamer Textdiskussion bestehen.

Literatur Karl Philipp Moritz: Andreas Hartknopf. Andreas HartknopfsPredigerjahre, ders.. Anton Reiser, ders: Schriften zur Ästehtik (alle bei Reclam)

Zur Einführung: Albert Meier: Karl Philipp Moritz, Stuttgart 2000; Robert Minder: Glaube, Skepsis und Rationalismus. Dargestellt aufgrund der autobiographischen Schriften von Karl Philipp Moritz, Frankfurt a.M.1974.

Forschungskolloquium

Das Forschungskolloquium dient der Vorbereitung und Begleitung der Masterarbeit: Die TeilnehmerInnen entwickeln ihre thematischen Interessen, ihre Fragestellung und die Konzeption ihrer Arbeit und stellen das jeweils zur Diskussion. Darüber hinaus dient das Kolloquium zur Auseinandersetzung mit neueren Ansätzen der Forschung, die Auswahl richtet sich hier ebenfalls nach den Interessen der Teilnehmerinnen. Auch allgemeine Fragen zur Schreib- und Arbeitspraxis sowie zum wissenschaftlichen Selbstverständnis können hier diskutiert werden – in diesem Zusammenhang werden wir auch einige grundlegende Texte über Literaturwissenschaft lesen.

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