Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Dr. Jakob Christoph Heller
Germanistisches Institut

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Dr. Jakob Christoph Heller

Sprechzeiten

Sprechstunde im Wintersemester 2022/23 (Vorlesungszeit): montags, 10:00-11:00 im Büro, Raum 1.02.0 (LuWu 2).

Forschungsschwerpunkte

  • Literatur der Frühen Neuzeit, der Aufklärung/Empfindsamkeit und der Romantik
  • Rhetorik, Poetik und Ästhetik
  • Wissensgeschichte (Anthropologie, Naturgeschichte, Theologie)
  • Literatur und bildende Künste
  • Literatur und Religion
  • Idyllik und Bukolik
  • Ecocriticism

aktuelle Forschungsprojekte →

Aktuelles

Poster und Programm des Workshops "Idylle und Nation(alismus)"

Poster und Programm des Workshops "Idylle und Nation(alismus)"

Poster und Programm des Workshops "Idylle und Nation(alismus)"

Workshop des DFG-Netzwerks Politiken der Idylle

IZEA Halle, 24.-25.11.2022

„Nicht dem Deutschen geziemt es, die  fürchterliche Bewegung / Fortzuleiten und auch zu wanken hierhin und  dorthin. / ‚Dies ist unser!‘ so laß uns sagen und so es behaupten!“ Der  letzte Gesang von Goethes ‚idyllischem Epos‘ Hermann und Dorothea etabliert eine Verbindung von Idylle und ‚deutscher Nation‘, die in  seiner Rezeption im 19. Jahrhundert und bis in das Dritte Reich hinein  von immenser Wirkmacht war. Ohngeachtet sowohl der ironischen als auch  der weltbürgerlichen Dimensionen der Dichtung konnotiert das Idyllische  seitdem (auch) das Nationale und das Nationalistische: Mit der Heimat  und der ‚Scholle‘ transgenerational verbunden,  patriarchal-heteronormative Familienkonzepte perpetuierend sowie  Differenzen zwischen dem Eigenen und dem Fremden essentialisierend  stellt Idyllik die abstrakte Größe ‚Nation‘ in ihrer kleinen  Gesellschaft anschaulich vor Augen. Das ‚einfache Volk‘, das in ihr seit  dem 19. Jahrhundert auftritt, wird zum Ursprung der Nation verklärt.  Die Idylle entwirft imagined communities, die für das nation building nutzbar gemacht wurden, wie die Rezeptionsgeschichte nicht nur von Hermann und Dorothea zeigt, und weiterhin genutzt werden: Das von William Empson zum  „essential trick“ der Gattung erklärte „putting the complex into the  simple“ macht diese offenbar für (neu-)rechte Diskurs- und  Interpretationsstrategien attraktiv.

Allerdings ist zu bemerken,  dass diese Rezeption wie auch kulturwissenschaftliche Lesart der Idylle  bestimmte gattungsgeschichtliche Charakteristika unterschlägt: Beginnend  mit Vergils erster Ekloge, die der Gastfreundschaft und damit zumindest  einer Form der Inklusion eine zentrale Rolle zuspricht über die  frühneuzeitliche bukolische Gelehrtengemeinschaft, die transnational und  pazifistisch ist, bis hin zu den Idyllisierungen in zeitgenössischen  Mitteleuropa-Darstellungen, die das Nationale bewusst unterlaufen, ist  die Geschichte der Gattung bestimmt von Texten, die sich einer  Vereinnahmung durch nationale Diskurse verweigern. Systematisch lässt  sich diese Widerständigkeit zurückführen auf Gattungsmerkmale wie die  überbordende Intertextualität und die Destabilisierung von Standes-,  Gender- und nationalen Identitäten qua Maskenspiel und Allegorie. Auch  die frühe Nationalliteraturhistoriographie war von der Gattung alles  andere als angetan; Georg Gottfried Gervinus sah – neben ihrer  allegorischen Dimension – das Pazifistische, von „selbstbewegter  Geschichte“ und „innere[n] Triebe[n]“ freie der Idylle als Grund für  ihre Unbrauchbarkeit, Nationalgefühle zu wecken – ein Staat ist mit  diesen Texten nicht zu machen.

Das angedeutete Spannungsfeld ist Gegenstand des Workshops. Zudem er dazu einladen, das titelgebende Dikolon zu erweitern und damit  zu verkomplizieren: Wie verändert das Konzept ‚Heimat‘, wie das Konzept  ‚Dorf‘ bzw. die Gattung ‚Dorfgeschichte‘ das skizzierte Verhältnis von  Idylle und Nation(-alismus)?

Für die Teilnahme am Workshop wird um eine Anmeldung an gebeten. Weitere Informationen zum Forschungsprogramm des Netzwerks sind unter https://blogs.uni-bremen.de/idyllen/    zu finden.

Konzept und Programm.

Konferenz, 21.04. bis 23.04.2022, IZEA Halle

Die Konferenz untersucht Figuren der Endlichkeit in der Europäischen Romantik. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Figuren des Letzten – letzte Menschen (J.-B. Grainville: Le dernier homme (1805); M. Shelley: The Last Man (1826)), letzte Dinge (I. Kant: Das Ende aller Dinge (1794)) – in der Romantik ein spezifisches Endlichkeitsbewusstsein artikulieren. Die einsetzende romantische Reflexion der Endlichkeit, die sich synchron mit den zeitgenössischen Diskursen über die Begrenztheit von Ressourcen ausbildet, stellt dabei den Beginn einer genuin modernen Erfahrung dar.

Die Verzeitlichung wird um 1800, so die Grundthese, vor allem verhandelt und reflektiert an poetologischen und philosophischen Figuren der Endlichkeit, des Letzten und des Verbrauchbaren. Wenn die Konferenz etwa das Fragment, die Ruine oder die „Denkmäler der alten Zeiten“ (F. Schiller) als Figurationen einer Reflexion der Endlichkeit erneut in den Blick nimmt, dann schärft und ergänzt sie zugleich klassische Elemente der Epochenkonstruktion der Romantik, welche bislang vorwiegend mit Begriffen wie Entgrenzung, Potenzierung und Unendlichkeit
oder mit einem Fokus auf Gegenwart, Jetztzeit und Augenblick in Verbindung gebracht wurde.

Organisiert von J.C.H., Erik Martin (Frankfurt/Oder) und Sebastian Schönbeck (Bielefeld), ermöglicht durch die finanzielle Förderung der Fritz Thyssen Stiftung.

Zum Programm

Im Frühjahr 2022 erschien der von Nils Jablonski und Solvejg Nitzke herausgegebene Band Paradigmen des Idyllischen. Ökonomie - Ökologie - Artikulation - Gemeinschaft. Der Band ist ein Ergebnis der Arbeiten des DFG-Netzwerks Politiken der Idylle   . Zum Werk durfte ich einen Aufsatz über „Echo und Spracharbeit. Das Pegnesische Schäfergedicht im Kontext von Georg Philipp Harsdörffers Frauenzimmer Gesprächspielebeitragen.

Zur Verlagshomepage   

Ding und Bild in der europäischen Romantik. Hgg. von J.C.H., Erik Martin und Sebastian Schönbeck. Berlin, Boston: de Gruyter 2021.

Ding und Bild sind Schlüsselbegriffe der romantischen Poetik und Philosophie. Der Band untersucht das produktive Spannungsverhältnis beider Konzepte und ihre Vermischungen vor dem Hintergrund der historischen und systematischen Zusammenhänge der europäischen Romantik. Er versammelt Beiträge von Literatur-, Kultur- und Kunstwissenschaftler*innen und nimmt Bezüge zu anderen Wissensfeldern wie der Ökonomie, Philosophie, Physik oder Religion in den Blick.

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