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Aktuelle Lehrveranstaltungen

Sprechzeiten

Sprechstunden in der vorlesungsfreien Zeit

Mo 9.2.2026, 17.30-19.00 Uhr

Do 5.3.2026, 15.30-17.00 Uhr

Do 19.3.2026, 15.30-17.00 Uhr

Sprechstunden im SoSe 2026

Montags, 18.00-19.00 Uhr

Anmeldung per Mail:

Gottfried August Bürger. Balladen-Weg für Molmerswende (Projektseminar in Kooperation mit dem Gottfried-August-Bürger-Museum)

Module: BA/LA: MA KdA: BA: Angewandte Literaturwissenschaft; Literatur und Ästhetik II; Literaturgeschichte 17. Jh. bis Gegenwart (5 LP) / (10 LP); LA Gr: Text: Produktion, Rezeption, Interpretation

Termine: Freitag, 10.4., 12.00-13.30 Uhr Vorbesprechung; Samstag, 25.4., 10.00-16.00 Uhr Block I in Halle; Wochenende 15.-17.5. Block II in Molmerswende, abschließend Werkstattbericht zum Internationalen Museumstag im Bürger-Museum; Montag, 15.6. Abgabetermin der ausgearbeiteten Hörtexte; Mittwoch, 24.6., 16.30-20.00 Uhr Generalprobe; Mittwoch, 1.7., 16.30-19.00 Uhr Studiotermin MDR; Sonntag, 5.7. Präsentation des Balladen-Weges in Molmerswende

Der Dichter Gottfried August Bürger (1747-1794) fasziniert noch heute mit seinen extrem dramatischen, emotional ergreifenden Balladen mit ihren atmosphärisch aufgeladenen Naturräumen. Diese Naturräume, häufig Felder, Wälder, aber auch Siedlungsränder, sind mehr als Schauplätze, denn sie gestalten die Handlung mit.

Diese Besonderheit soll in einem Balladen-Weg mit Hörstationen herausgearbeitet werden. Der Weg beginnt im Pfarrgarten am Gottfried-August-Bürger-Museum in Molmerswende und wird in fünf ausgesuchten Stationen durch die Umgebung führen. Bürgers Geburtsort ist mit seiner Tallage an Waldrändern landschaftlich ideal für Rundwege geeignet, so dass verschiedene lokale Anknüpfungspunkte entstehen.

Balladen stehen dem Volkslied nahe, zeichnen sich jedoch durch längere Erzählbögen mit dramatischen Zuspitzungen aus. Bürgers in vielerlei Hinsicht experimentelle Umsetzungen gelten als Gründungstexte der modernen Kunstballade. Um dies zu verdeutlichen und den Weg vielstimmiger zu gestalten, werden Klassiker wie Lenore oder Der wilde Jägerum Beispiele des Genres bis zur Gegenwart mit Balladen von Johann Wolfgang Goethe, Annette von Droste-Hülshoff, Bertolt Brecht oder Marie Luise Kaschnitz erweitert.

Das Seminar wird ausgesuchte Balladen in einer ersten Sitzung in Halle (25. April) diskutieren und in einer Blockveranstaltung (15.-17. Mai 2026) in Molmerswende für den Wanderweg aufarbeiten. Der Balladen-Weg wird am 5. Juli in einem öffentlichen Rundgang eingeweiht.

Die Hörbeiträge werden durch eine Medienkooperation mit der Sendung „Unter Büchern“ des MDR Kultur, namentlich Dr. Katrin Schumacher, realisiert. Die Beiträge werden im Studio aufgenommen (1. Juli) und sowohl für die Sendung genutzt als auch in Hörstationen mit QR-Codes am Balladen-Weg verstetigt.

Ein Reader mit ausgewählten Balladen und Forschungstexten wird digital zur Verfügung gestellt. Die Teilnahme an allen Terminen ist verbindlich, um eine optimale Teamleistung zu gewährleisten. Der Förderverein des Gottfried-August-Bürger-Museum übernimmt die Übernachtungen für die Blockveranstaltung vor Ort.

Eine verbindliche und begründete Anmeldung ist ab sofort per Mail möglich:

Ballade: Ein Genre zwischen Lyrik, Epik und Dramatik

Mo 16-18 und Liederabend am 22. Juni 2026 von 18 bis 20 Uhr

Module: BA/LA: Literatur- und Gattungstheorie (5 LP) / (10 LP)

Johann Wolfgang Goethe bezeichnete die Ballade als „Ur-Ei“, eine Mischform der Gattungstrias, die Epik, Lyrik und Drama miteinander verbindet. Denn die Ballade erzählt in Versform von einer konflikthaften Begebenheit in dramatischer Zuspitzung, die linear auf eine Katastrophe oder auch eine komische Auflösung zuläuft. Dabei kann das Genre nahezu alle historischen und hochaktuellen Stoffe und Themen in sich aufnehmen, neben Sex and Crime auch moderne medienkritische, soziologische oder ökologische Diskurse. Die neuere Forschung diskutiert die Ballade als „Gattung der Hybridität“ (A. Bartl), in der die Reichweite, das Ineinandergreifen oder die Verschmelzung von narrativen, lyrischen und dramatischen Verfahren zu differenzieren sind. Zudem weist sie eine starke Adressatenorientierung auf, indem sie in ihrer affektiven Verdichtung in das Geschehen hinein zu ziehen sucht, zugleich aber auch eine belehrende Funktion hat. Genre Anleihen bezieht sie aus der Novelle, der Anekdote, dem Exempel, der Fabel, der Sage, dem Schwank, der Legende, dem Märchen, der gothic novel oder der Kriminalgeschichte. Nicht zuletzt aus diesem Grunde steht die Ballade prominent in allen schulischen Lehrplänen, weil sich an ihr ein generelles Verständnis literarischer Gattungen vermitteln lässt.

Das Seminar erprobt gattungstheoretische Beschreibungs- und Analysekategorien anhand einer Auswahl von Balladen von ihrer Gründungszeit als Kunstform im Sturm und Drang bis zu aktuellen Hip Hop Lyrics. Gelesen und diskutiert werden sowohl kanonische als auch weitgehend unbekannte Balladen von Gottfried August Bürger, Johann Wolfgang Goethe, Friedrich Schiller, Amalie von Imhoff, Clemens Brentano, Annette von Droste-Hülshoff, Heinrich Heine, Conrad Ferdinand Meyer, Maria Janitschek, Agnes Miegel, Bertolt Brecht, Marie Luise Kaschnitz, Robert Gernhardt, Deichkind und anderen.

Arbeitsgrundlage bildet die Reclam-Anthologie, die durch einen digitalen Reader ergänzt wird: Hartmut Laufhütte (Hg.): Deutsche Balladen. Stuttgart 2019. Grundlegende Forschung: Andrea Bartl, Corinna Erk, Annika Hanauska, Martin Kraus (Hg): Die Ballade. Neue Perspektiven auf eine traditionsreiche Gattung. Würzburg 2017; Gunter E. Grimm: Deutsche Balladen. Gedichte und Interpretationen. Stuttgart 2008.

Die Studienleistung besteht in der prägnanten Einzelanalyse einer bislang nicht erforschten Ballade im ILIAS-Forum. Die Modulleistung kann in einer abschließenden Klausur erbracht werden.


Balladen vom Sturm und Drang bis zur Gegenwart

Mo 12-14 und Liederabend am 22. Juni 2026 von 18 bis 20 Uhr

Module: BA/LA: Literaturgeschichte 17. Jh. bis Gegenwart (5 LP) / (10 LP)

Balladen wollen vor allem eines: mitreißen! In maximaler Verdichtung von erzählerischen, lyrischen und dramatischen Formen präsentieren sie den prägnanten Ausschnitt eines Geschehens, das in entschiedenem Tempo auf eine Katastrophe zuläuft oder sich in einer komischen Pointe wendet.

Seit der Entstehung der Kunstballade im Sturm und Drang beginnt auch das Nachdenken über die Geschichte dieser Form, die sich an volkstümliche Vorläufer anlehnt. Nach Goethe ist sie nichts weniger als die Urform der Dichtung generell, Droste-Hülshoff entdeckte ihr Darstellungsvermögen für erdgeschichtliche Tiefenbohrungen, bei Brecht diente sie zur Rückkehr zu einer volksnahen Didaktik, im Nationalsozialismus galt sie als Inbegriff des deutschen Nationalcharakters. Heute verbindet sie viele Stränge und entfaltet neue Ebenen zwischen Pathos und Ironie in Hip Hop und Rap lyrics.

Das Seminar erprobt verschiedene literaturhistorische Linien anhand einer Auswahl von Balladen seit den aufklärerischen Anfängen über ihre Konjunkturen in Sturm und Drang, Romantik und Weimarer Republik bis zur Gegenwart. Gelesen und diskutiert werden sowohl kanonische als auch weitgehend unbekannte Balladen von Johann Wilhelm Ludwig Gleim, Johann Gottfried Herder, Gottfried August Bürger, Johann Wolfgang Goethe, Friedrich Schiller, Amalie von Imhoff, Annette von Droste-Hülshoff, Heinrich Heine, Conrad Ferdinand Meyer, Maria Janitschek, Agnes Miegel, Bertolt Brecht, Marie Luise Kaschnitz, Deichkind und anderen.

Arbeitsgrundlage bildet die Reclam-Anthologie, die durch einen digitalen Reader ergänzt wird: Hartmut Laufhütte (Hg.): Deutsche Balladen. Stuttgart 2019. Grundlegende Forschung: Andrea Bartl, Corinna Erk, Annika Hanauska, Martin Kraus (Hg): Die Ballade. Neue Perspektiven auf eine traditionsreiche Gattung. Würzburg 2017; Gunter E. Grimm: Deutsche Balladen. Gedichte und Interpretationen. Stuttgart 2008.

Die Studienleistung besteht in einem thesenfreudigen Impulsreferat zur Anmoderation einer Ballade im Seminargespräch. Die Modulleistung kann in Form einer Hausarbeit oder einer mündlichen Prüfung erbracht werden.


Die weiße Frau. Gespenster zwischen Aufklärung und Romantik

Di 12-14

Module: BA/LA: Themen, Stoffe, Motive; MA KdA: Literatur und Ästhetik II; KEAS Aufbaumodul Kulturwissenschaft Deutschland 1 – Kulturgeschichte I; MA: MA. Modul I / II; BA/LA: Themen, Stoffe und Motive; MA: Themen, Stoffe und Motive; MA: Kulturelle Diskurse

Weiß gekleidete Frauen gleiten schemenhaft durch die Texte des 18. und 19. Jahrhunderts. Es handelt sich nicht nur um Figuren im Klassiker der Frauenmode, dem weißen Kleid, oder auch im festlichen Brautkleid oder Leichenhemd, sondern um einen spezifischen Gespenstertypus: Als untote Vorfahrin kümmert sich die ‚weiße Frau‘ um Belange der Familie insbesondere im Feld der Heiratspolitik, wobei sie durchaus aggressiv zu Werke geht. Ihre literarische Konjunktur datiert in das sogenannte bürgerliche Zeitalter, als sich erstens ein binäres Geschlechtermodell etabliert und zweitens die Identifikation mit einer Familiengenealogie nicht länger ein adeliges Privileg bleibt. Der spezifisch weibliche Geistertypus stellt folglich Selbstverständlichkeiten in Frage, da sie eine vermeintlich natürliche, christlich fundierte Ordnung stört oder aber als unnatürliches, gar teuflisches Arrangement ausweist.

Gelesen und diskutiert wird das Genre der Gespenstergeschichte, vorwiegend also Erzähltexte, jedoch auch Langgedichte und ein Drama, wobei sowohl kanonisierte als auch unbekannte Autor:innen zu Wort kommen: Benedikte Nauberts Die weiße Frau (1792), Sophie Albrechts Das höfliche Gespenst (1797), Johann Wolfgang Goethes Die Braut von Korinth(1798), Amalie von Imhoffs Die Jungfrau vom Schlosse (1798); Christian zu Stolberg-Stolbergs Die weiße Frau (1817), Franz Grillparzers Die Ahnfrau (1817), Annette von Droste-Hülshoffs Das Fräulein von Rodenschild (1841).

Ein Reader mit der Textauswahl, teilweise in Erstausgaben (d.h. in Frakturschrift) wird digital zur Verfüg gestellt. Grundlegend sind folgende Studien: Gero von Wilpert: Die deutsche Gespenstergeschichte. Motiv – Form – Entwicklung, Stuttgart 1994; Silke Arnold-de Simine, Leichen im Keller: zu Fragen des Gender in Angstinszenierungen der Schauer- und Kriminalliteratur (1790–1830), St. Ingberg 2000; Birgit Haehnel, Weiße Umhüllungen – Weiße Verblendungen: Zur textilen Konstruktion von whiteness, Köln 2023.

Die Studienleistung besteht in einem thesenfreudigen Impulsreferat zum Auftakt der jeweiligen Textdiskussion. Die Modulleistung kann in einer Hausarbeit oder einer mündlichen Prüfung erbracht werden.



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